Veröffentlicht: 08.06.2026

Noch erstreckt sich hier weitläufig ein Acker. Doch bald soll auf dem Gelände im Wittener Ortsteil Stockumer Bruch ein Wohnquartier entstehen. Fünf Mehrfamilienhäuser sowie 44 Reihen- und Doppelhäuser hat der Bauträger geplant. Alle mit begrünten Dächern sowie Photovoltaikanlagen, die im Betrieb ohne direkte CO₂-Emissionen Strom erzeugen. Auch bei der Wärmeversorgung gibt es eine Premiere für Witten: Zum ersten Mal soll in der Stadt ein kaltes Nahwärmenetz ein Wohngebiet beheizen. Laut Konzeptstudie des Bauträgers ist es die ideale Wärmelösung für dieses Quartier.

Anders als klassische Fernwärme arbeitet kalte Nahwärme nicht mit hohen Temperaturen. Stattdessen nutzt sie Energie aus oberflächennaher Geothermie: Im Stockumer Bruch gewinnen zukünftig rund 250 Meter tiefe Erdsonden Wärme von etwa zehn Grad und speisen sie in das geschlossene Rohrsystem des Wärmenetzes ein. Dies leitet sie zu den jeweiligen Gebäuden, wo sie Sole-Wasser-Wärmepumpen dann auf die gewünschte Heiztemperatur bringen. Da die Rohre des Leitungsnetzes nur etwa 80 Zentimeter tief im Boden liegen, nimmt das Wasser im Netz selbst noch Umgebungswärme auf.

Wärmen und kühlen

„Überdies kann das System die Gebäude im Sommer auch passiv kühlen, wenn das kalte Wasser durch die Fußbodenheizungen strömt“, sagt Christian Dresel. Der Gruppenleiter Wärme bei den Stadtwerken Witten betreut gemeinsam mit einem Ingenieurbüro das Planen und Einrichten des Wärmenetzes. Auch für die Stadtwerke ist das Projekt eine Premiere. „Deshalb waren die Probebohrungen, die der Bauträger in Auftrag gegeben hat, sehr spannend – und sie haben gute Ergebnisse geliefert“, freut sich der Fachmann. Um für den Bauträger und die zukünftigen Wärmekunden Kosten einzusparen, akquirierte er über die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze 40 Prozent Zuschuss für die Planung und den Bau von Wärmenetz, Sondenfeld und Wärmepumpen.

Auch bei der Mobilität setzt das Quartier auf ein entsprechendes Konzept: Da hier unter anderem autofreie Wohnhöfe geplant sind, gibt es für die Bewohner zwei zentrale Parkflächen. Schon jetzt ist klar, dass die Stadtwerke eine von ihnen mit öffentlicher Strom-Ladeinfrastruktur ausstatten.

Aktuell plant der Versorger die Erschließung für das neue Quartier. „Gerade geht es um den Bau der Rohrleitungen. Hier müssen wir verschiedenen Kabel und Rohre für Strom, Wasser, Wärme, Telekommunikation sowie Schmutz- und Regenwasser sinnvoll koordinieren“, erklärt Christian Dresel. Läuft alles gut, kann der Bauträger mit dem Erschließen des Geländes noch in diesem Jahr beginnen. Danach starten die Bohrungen für das Erdsondenfeld. Mit jeweils zehn Meter Abstand gehen dann etwa 38 Sonden in die Tiefe – und bilden so die Basis für eine zukunftsfähige Wärmeversorgung im Stockumer Bruch.

Ihr Ansprechpartner:

Christian Dresel
Vertrieb Energiedienstleistungen
Gruppenleiter Wärme
Telefon: 02302 9173-600
ee@stadtwerke-witten.de

Fazit:

  • Mit dem ersten kalten Nahwärmenetz in Witten entsteht eine Wärmeversorgung auf Basis von Geothermie und Wärmepumpen für ein neues Wohnquartier im Stockumer Bruch.
  • Das Nahwärmenetz nutzt oberflächennahe Geothermie und Sole-Wasser-Wärmepumpen. Im Sommer kann es die Gebäude auch passiv kühlen.
  • Die Stadtwerke führen das Projekt durch und bauen außerdem öffentliche E-Ladesäulen auf einem zentralen Parkplatz im Quartier.